Tonträgerformat: CD (Compact Disc)
Anzahl der Tonträger: 1
Label:
TYROLIS MUSIC
Veröffentlichung: Juli 2010
Genre: Marschmusik,
Instrumental
Herkunft: Wien, Österreich
Original Hoch- und Deutschmeister - Burgmusik in
Wien
Kapellmeister: Reinhold Nowotny
Orig. Hoch- und
Deutschmeister
Wesentlich für das besondere Flair der Hoch- und Deutschmeister ist die
sogenannte "hohe Stimmung". Diese liegt einen Halbton höher als die der meisten
anderen Ensembles. Sie geht zurück auf die alten Feld- und Militärmusiken, die
vor allem im Freien und in der marschierenden Truppe gehört werden mußten. Nach
dem 1. Weltkrieg passten sich die meisten Kapellen der international
gebräuchlichen Stimmung an. Die Hoch- und Deutschmeister zählten zu den wenigen
Orchestern, die die alte Musiktradition aufrechterhielten.
Als Österreich dem Dritten Reich einverleibt wurde, war die Tradition des
k.u.k. Militärs nicht mehr opportun. Die österreichische Militärmusik, somit
auch die Hoch- und Deutschmeister, wurden in die reichsdeutsche Militärmusik mit
ihrem Instrumentarium und der Normalstimmung integriert.
Mit der Wiedererrichtung des souveränen Österreich 1945 wurde bei den neu
formierten "Deutschmeistern" die alte Tradition und damit auch die hohe Stimmung
wieder eingeführt.
Eine weitere Besonderheit des Orchesters besteht in den verwendeten
Instrumenten. So sind heute nach wie vor Es-Trompeten und Ventilposaunen im
Einsatz, ebenso wie - statt der üblichen Baßtuba - der traditionelle
Helikon.
Geschichte
1695 forderte der Kaiser angesichts der anhaltenden Bedrohung durch die
türkischen Heerscharen alle deutschen Fürsten auf, neue Regimenter für ihre
Kämpfe zu rekrutieren und ihm zur Verfügung zu stellen. Einer dieser Fürsten war
Franz Ludwig, Pfalzgraf zu Neuburg und bei der Rhein. Er hatte seinen Besitz dem
Deutschen Ritterorden überschrieben; daraufhin mußte auch der Orden ein Regiment
aufstellen.
1695 wurde mit der Anwerbung begonnen. In Donauwörth konnte 1696 das Regiment
vereidigt werden. Ein Jahr später erhielten sie unter dem Oberkommando des
Prinzen von Eugen bei Zenta ihre siegreiche Feuertaufe. Im Jahre 1741 ordnete
Kaiserin Maria Theresia an, daß jedes Regiment seine eigene Kapelle haben
sollte, um die Truppen zur Parade zu führen und sie im Kampf anzuspornen.
Anläßlich der Geburt Josephs II. hatte die Deutschmeister-Kapelle ihre erste
Parade in Mailand im Jahre 1741.
Aus Sparsamkeitsgründen ordnete das Österreichische Hofkonzilium an, daß
jeder kommandierende Oberst seine Regimentskapelle selber erhalten müsse. Viele
Kapellen gingen dadurch zu Grunde. Graf Anton Colloredo, Kommandeur des
Deutschmeister-Regiments, war jedoch darauf bedacht, daß die Kapelle erhalten
blieb. Die Offiziere des Regiments unterstützten ihre Kapelle auch weiterhin,
bis im Jahre 1918 die kaiserliche Armee aufgelöst wurde.
1781 stationierte Kaiser Joseph II. die Deutschmeister in Wien. Seit damals
hat die Kapelle den unvergleichlichen Wiener Klang. Sie galt als die
Lieblingskapelle des Kaisers und des Volkes. So wurde sie nicht nur für
offizielle Anlässe, z, B. die Wachablöse eingesetzt, sondern gab auch
öffentliche Konzerte vor dem Belvedere und in Schönbrunn. Damals schon war sie
mehr als eine Militärkapelle, sie wurde zur Interpretin des österreichischen
musikalischen Prunkes in Friedenszeiten.
Bezeichnend für die musikalische Qualität der Hoch- und Deutschmeister war
die Vielzahl der begnadeten Musiker in ihren Reihen. Viele wurden auch als
Komponisten berühmt: Joseph Helmesberger, Joseph Bayer, Robert Stolz, Edmund
Eysler und Carl Michael Ziehrer. Im Jahre 1893 feierte die Kapelle unter Ziehrer
als eine der populärsten Attraktionen der Weltausstellung in Chicago wahre
Triumphe. 1910 entsandte sie Kaiser Franz Joseph höchstpersönlich auf eine
Konzertreise nach Südamerika. Dort durfte Kapellmeister Wilhelm Wacek wahre
Begeisterungsstürme verzeichnen.
Nach der Abrüstung 1918 blieb die Hoch- und Deutschmeister-Kapelle durch die
Initiative des Kapellmeisters Julius Herrmann als private Organisation bestehen,
da, wie Julius Herrmann damals sagte, Wien seine Musik behalten müsse. Dieser
Gedanke wurde auch nach dem Ende des 2. Weltkrieges weitergelebt. In
zahlreichen, äußerst erfolgreichen Tourneen in Europa und Nordamerika waren und
sind die Hoch- und Deutschmeister ein lebendiges Symbol für Österreich und seine
Jahrhunderte alte musikalische Tradition.
Nach dem Tode von Julius Herrmann 1977 übernahm Wilhelm Breitenfeld die
organisatorische Leitung des Orchesters. Als musikalische Leiter konnten Prof.
Horst Winter und später Prof. Ottokar Drapal gewonnen werden. Gemeinsam konnten
große musikalische Erfolge in Österreich, Deutschland, Luxemburg und der Schweiz
errungen werden. Während dieser Zeit wurde das 250-jährige Jubiläum der Kapelle
und das 300-jährige Bestehen der Hoch- und Deutschmeister gefeiert. Die
Verknüpfung der Jahrhunderte alten, österreichischen Tradition mit der
temperamentvollen, ewig jungen Musik wird auch in Zukunft das bestimmende
Merkmal der Hoch- und Deutschmeister sein.